Zukunftsforum Tierwohl

Dialogrunde zu Tierwohlerfolgen und Perspektiven

Ein starker Auftakt mit einem Thema am Puls der Zeit: Unser erstes Zukunftsforum im Mai hat eine intensive Debatte zwischen Geflügelbranche, Politik, Lebensmitteleinzelhandel, Wissenschaft und Tierschutzorganisationen über den richtigen Weg zu mehr Tierwohl befördert. Weit über 100 Teilnehmer verfolgten den Livestream der Online-Diskussion in Berlin. Im Anschluss an den gut einstündigen Austausch, der von der Journalistin Birgit von Bentzel (RTL, n-tv) moderiert wurde, war die Bühne frei für Fragen aus dem Online-Plenum.

Sehen Sie hier den gesamten Mitschnitt der Veranstaltung.

Impressionen

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„Dialoge dieser Art sind wichtig, um beim Thema Tierwohl weiter voranzukommen“, fasste Stefan Teepker, Hähnchenerzeuger in Niedersachsen und Vizepräsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) zusammen.

Teepker eröffnete die Runde mit dem Verweis auf die erreichten Erfolge. Über 80 Prozent der deutschen Hähnchen- und Putenhalter nähmen an der Initiative Tierwohl teil und setzten damit bereits heute Bedingungen in der Haltung um, die über den hohen gesetzlichen Vorgaben in Deutschland liegen. Er fügte hinzu: „Die gesamte Branche und die Landwirte geben sich nicht mit dem zufrieden, was geschafft ist. Wir spüren den Wunsch der Menschen nach mehr Tierwohl – und hier müssen und wollen wir mitgestalten“.

Die Fragen nach dem „Wie“ und „Wie weit“ wurden kontrovers diskutiert. Im Zentrum standen vor allem das Zukunftskonzept der Borchert-Kommission zur Modernisierung der Tierhaltung und das geplante staatliche Tierwohlkennzeichen. Die Borchert-Kommission hat im Februar 2020 einen Umbauplan für die Nutztierhaltung in Deutschland vorgelegt, der im Rahmen einer Machbarkeitsstudie vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft als realisierbar eingestuft wurde. Demnach wird der Gesamtförderbedarf für alle Tierarten im Jahr 2030 auf 4 Milliarden Euro ansteigen, das meiste davon soll in den Um- und Ausbau tierwohlgerechter Ställe fließen.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Albert Stegemann, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Ernährung und Landwirtschaft der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hob in diesem Zusammenhang das Baurecht hervor: „Wenn wir Landwirte unsere Ställe für mehr Tierwohl umbauen lassen wollen, dann müssen wir auch Zugeständnisse im Baurecht machen“.

Dr. Nora Irrgang, Nutztierexpertin bei der Tierschutzorganisation Vier Pfoten in Deutschland, lobte den generellen Ansatz des Borchert-Plans, Geld in den tierwohlgerechten Umbau der Landwirtschaft zu investieren. Aus ihrer Sicht würden allerdings fundamentale Probleme der Tierhaltung nicht gelöst: „Wir sind für Umbau, aber wenn man diese Milliarden investiert, muss die Politik auch sicherstellen, dass 2040 auch wirklich ein Umbau da ist“.

Auch Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl, lobte den Ansatz des Borchert-Plans: „Es ist eine großartige Leistung, so viele Interessensvertreter zusammen zu bekommen und auf einen gemeinsamen Kurs eingeschworen zu haben“. Trotzdem merkte er zwei Themen an, die vor der Umsetzung noch gelöst werden müssten: die Finanzierung und den Zielkonflikt, dass Ställe mit Außenklimabereich zwar das Tierwohl fördern, aber die Umweltemissionen steigen lassen würden. Dabei wies er auf Synergiemöglichkeiten zwischen der Initiative Tierwohl und der geplanten staatlichen Tierwohlkennzeichnung hin.

Dr. Gesa Busch, die an der Universität Göttingen Einstellungen von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie der Gesellschaft zur Landwirtschaft erforscht, stellte heraus, dass der Borchert-Plan auf eine umfassende Transformation zielt: „Es geht nicht um die Verbesserung von Tierwohl in einzelnen Ställen, sondern um eine komplette Anhebung des Tierwohlstandards für die deutsche Landwirtschaft – und das deutlich über dem Standard, den wir jetzt haben“.

Um diesen Umbau zu finanzieren, sind verschiedene Modelle in der Diskussion: Ein Aufschlag von rund 40 Cent pro Kilo Fleisch, eine Anhebung der Mehrwertsteuer auf tierische Produkte sowie eine Art Solidaritätszuschlag. Hierzu vertraten die Teilnehmer unterschiedliche Ansichten. So geht die Wissenschaftlerin Busch davon aus, dass der Verbraucher einen Preisaufschlag von 40 Cent verkraften würde. Dr. Leif Balz, Bereichsleiter Food & Agrar in der Hauptstadtrepräsentanz der Schwarz-Gruppe (u.a. Lidl und Kaufland) favorisierte die Anhebung der Mehrwertsteuer auf tierische Produkte von 7 auf 19 Prozent. Der generelle Preisanstieg bei Fleisch würde dazu führen, dass die Menschen letztlich weniger Fleisch kaufen.

Das staatliche Tierwohlkennzeichen ist schon seit Jahren Thema vieler Diskussionen zwischen Branche, Handel und Politik – so wurde auch auf dem Zukunftsforum intensiv darüber diskutiert. Balz von der Schwarz-Gruppe stellte als Bedingung heraus, dass ein verbindliches Kennzeichen für den Verbraucher einen klaren Mehrwert gegenüber den bereits im Markt eingeführten Labeln bringen muss. Und er fügte hinzu: „Es muss strukturell und inhaltlich zu den Kriterien und dem bereits etablierten Tierwohl-Haltungsform-Kompass mit vier Stufen passen“. Auch Tierschützerin Irrgang griff das Thema auf: Sie befürwortet ein staatliches Tierwohlkennzeichnen, merkte aber an, dass dies auch in der Gastronomie eingeführt werden müsste, wo ebenfalls große Mengen Geflügelfleisch konsumiert werden.

Auch das Thema Tiergesundheit beschäftigte die Runde. Teepker gestand ein, dass die weitere Reduktion des Antibiotika-Einsatzes die Geflügelfleischwirtschaft herausfordert. Er verwies aber auch auf die erreichten Erfolge, welche die Branche zumeist selbst mit angestoßen hat und nannte das Monitoring mit Datenbanken zur Tiergesundheit und die Dokumentation der Tierarztbehandlungen. Er betonte, dass sich die Branche an weiteren erreichten Fortschritten messen lassen wolle. Er wiederholte sein Credo für die Tierhaltung, das er auch in seinem Hähnchenmastbetrieb verfolgt: „Verbesserungen beim Tierwohl müssen unbedingt messbar und nachvollziehbar sein“.

Die Zukunftsforen sind für den Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft ein wichtiger Baustein eines breit geführten Dialogs darüber, wie Deutschland seine Geflügelwirtschaft künftig gestalten will. Der Austausch geht weiter. Das nächste Zukunftsforum am 8. Juni 2021 stellt die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit in der Geflügelwirtschaft in den Fokus.

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